Der Ursprung der Kampfkünste liegt höchstwahrscheinlich in China. Um 500 n. Chr. soll der Mönch Bodhidharma das Kloster Shaolin im Norden Chinas besucht haben. Dort lehrte er die Mönche gymnastische Kampfübungen.
Etwa um 560 fand dann der erste Handelskontakt zwischen China und den Bewohnern der japanischen Insel Okinawa statt. Im Laufe der Zeit kamen viele Chinesen auf die Insel und beeinflußten die dortige Kultur. Darunter waren auch buddhistische Wandermönche, die im 13. Jahrhundert die chinesische Kampfkunst mitbrachten.
Als im 14. Jahrhundert durch die Regierung der Bevölkerung das Tragen von Waffen verboten wurde, entstanden zwei Kampfkünste, Tode in Adelskreisen und Ryukyu Kobudo für die ärmeren Schichten . Nach politischen Unruhen in Japan und der Eroberung der Insel im Jahre 1609 bildete sich schließlich das Okinawa-Te (=Technik) heraus. Hierbei handelt es ich um eine Vorstufe des Karate. Im Prinzip ist hier schon die elementare kompromißlose Härte des Karate angelegt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Okinawa-Te in Karate umbenannt. Der Begriff Karate bedeutet leere Hand. Das meint aber nicht nur Kampf ohne Waffen, sondern auch das Freimachen von Egoismus und Selbstsucht.
1922 ging Gichin Funakoshi als Karatelehrer nach Japan, um Karate zu verbreiten. Dort stieß er auf reges Interesse und begründete den Karatestil Shotokan. Der Name Shotokan ist vom Künstlernamen Funakoshis abgeleitet.
Im traditionellen Karate, dem Shotokan, gibt es drei Säulen, die auch für den Aufbau des Trainings elementar sind. Diese sind die Kihon/Grundschule, die Kata und das Kumite/Freikampf. Bei allen auszuführenden Techniken kommt es auf kompromißlose Härte an, die durch effektive Atemtechnik, Anspannen des Unterbauchs, Freisetzung des Kis (Energie), erreicht wird. Neben der Härte ist beim Shotokan aber auch der Kampfkunstaspekt wichtig. Durch viel Übung lernt der Karateka seine Energie auf einen Punkt zu konzentrieren und abzustoppen, um den Trainingspartner nicht zu verletzen und seinen Körper zu kontrollieren.
Jedes Training ist anders. Trotzdem soll hier einmal der Versuch gemacht werden, die Trainingsgrundbestandteile kurz darzustellen.
Das Training beginnt mit der traditionellen Karatebegrüßungszeremonie, die Respekt vor sich und den anderen zum Ausdruck bringen soll. Durch sie können sich die Teilnehmer etwas auf das Training einstimmen. Dann wird die für die Karatetechniken wichtige Muskulatur aufgewärmt, gedehnt und gelockert. Darauf folgt meist schon der erste eigentliche Trainingsabschnitt, die „Kihon“ (Grundschule des Karate). Hier übt man erst alleine in der Gruppe, später dann auch im Partnertraining einfache Block- und Angriffstechniken in tiefer Stellung. Das Tiefstehen ist auf der einen Seite für den Muskelaufbau wichtig, auf der anderen Seite aber auch, weil der Kämpfer, der tiefstehen kann, erst recht hochstehen kann.
Im Anschluß an das Training der „Basics“ kann zum Beispiel ein Kampfteil „Kumite“ kommen. In lockerer Stellung üben die Karateka Techniken mit Leichtkontakt am Partner. Durch den Leichtkontakt bekommt der Trainierende ein Gefühl für Krafteinsatz und Distanz, was in Selbstverteidigungssituationen sehr wichtig ist. Damit auch mal mehr Kraft in die Techniken gelegt werden kann, ohne dass es zu ernsthaften Verletzungen kommt, werden oft auch Übungen mit Sandsack und Handpratze ins Training integriert.
Am Ende eines Trainings steht fast immer die "Kata" (die Hohe
Schule des Karate). Katas bestehen aus einer genau festgelegten Folge von Kampftechniken gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner. Sie enthalten alle wichtigen Elemente des Karate und müssen daher intensiv trainiert werden, auch inklusive der praktischen Anwendung, der sogenannten „Bunkai“. Zum Schluß wird schließlich noch abgewärmt und traditionell verabschiedet.